Es gibt Menschen, die ein Haus nicht nur führen, sondern prägen. Menschen, deren Persönlichkeit, Humor und Haltung in jedem Winkel des Hauses weiterleben. Der „Leiter Seppl“, Seniorchef des Alpenrast, war ohne Frage einer von ihnen.
Wer den Leiter Seppl erlebt hat, erinnert sich an diese besonderen Momente: In der einen Hand die Dose mit dem Schnupftabak, in der anderen ein Gläschen vom Besten – und dann begann er, mit seiner ruhigen Stimme, die Geschichten von früher zu erzählen. Sobald er anfing, mit „Also, das war so …“, wurde es mucksmäuschenstill in der Alpenrast-Bar. Es waren Geschichten von Abenteuern, von lustigen Begebenheiten, auch vom Tod − und natürlich vom Leben. Seine Erzählungen vom Schmuggeln, den schweren Lasten und nächtlichen Wegen über die Jöcher der Zillertaler Alpen fesselten alle, die ihm lauschten. Echte Gefahren, scharfer Witz und der raue Alltag in den Bergen – niemand konnte diese Geschichten so lebendig, so menschlich und so wahrhaftig erzählen wie er.
Der Leiter Seppl war ein geselliger, humorvoller und gutmütiger Mann – ein echtes Original mit einem tiefen Verständnis für die Härten seiner Zeit. Nur eines ließ ihn ernst werden: wenn man das Schmuggeln als kriminellen Akt abtat. Für ihn war es Ausdruck von Armut, Verantwortung und der Verzweiflung, die eigene Familie ernähren zu müssen.
Geblieben sind seine Geschichten, seine Wärme und sein unverwechselbarer Geist. Und geblieben ist auch eine Zeichnung von ihm, dem rastenden Wanderer – skizziert von einem Gast, die dem Hotel ein Gesicht gibt und dort auch immer wieder auftaucht. Sie erinnert an den Leiter Seppl, an seine Wege, an seine Haltung. An einen mutigen Mann, der unvergessen bleibt.
In liebevoller Erinnerung an Seppl Leiter, 10.01.1930−09.09.2015.